Hier könnt ihr den ersten Teil von Rosenburg nachlesen!
Rosenburg - Ein verhängnisvolles Geheimnis
Teil 1 - Alissa
Seit dem Unfall hatte sich vieles verändert: Lurack und Mourie waren jetzt am anderen Hof, hier waren sie nicht mehr zu gebrauchen, Fio und Jessy mussten durch den Gedächtnisverlust das Internat verlassen und nun die schlimmste Veränderung: Jessy und Fio sollten einfach durch zwei Mädchen ersetzt werden. Wahrscheinlich brauchte das Internat einfach das Geld, aber das war vielen hier egal, vor allem Kristin. Jessy war ihre beste Freundin gewesen. Und nun hatte sie Jessy verloren, so wie Jessica ihr Gedächtnis. Alles futsch.
Und als noch die Neuen - Melinda und Catrina - zum Essen auftauchten, war alles verloren gewesen. Kristi sprang auf und verschwand auf ihr Zimmer. Sie musste ab jetzt ihr Zimmer mit Catrina teilen, die arme. Aber ich hatte ja jetzt auch eine neue Mitbewohnerin. Nach dem Mittag machte Sarah mich darauf aufmerksam das ich Melinda beim Koffer auspacken helfen sollte, sie war in meinem Zimmer untergebracht worden. Falls ihr das denken solltet: Nein, ich wollte nicht höflich sein. Das Kofferauspacken war nur ein Vorwand um Mel UNSERE Clique-Regeln zu erklären...und ihr vielleicht auch einen Schrecken einzujagen. Wenn sie hier bleiben wollte, musste sie stark sein und viel ertragen können. Es war jetzt meine Aufgabe sie einzuweisen. Nicht die schönste Aufgabe um ehrlich zu sein, aber ich denke Mel war mit mir besser dran, als Catrina mit Kristi. Die Kleine hatte Glück, wenn sie lebend wieder aus diesem Zimmer kam...
Buch 1 - Alissa
Die "Regeln"
Mel war im Grunde garnicht so übel. Und für den Unfall konnte sie ja auch nichts, oder? Es tat mir leid, das ich ihr diese Regeln erklären musste.
Als ich die Tür zu meinem Zimmer öffnete sah ich Mel auf Fios großem Bett sitzen. Sie hatte es schon mit einer quietsch grünen Decke bezogen. Jetzt erst fiehl mir ihre Kleidung auf. Sie trug ein eng anliegendes T-Shirt das in einem rot leuchtete und eine normale Jeans. Sie passte nicht zu den üblichen anderen hier. Sie sah nicht so aus als wollte sie einen neuen Trend setzten, trotzdem würde sie gut bei den Jungs ankommen, das wusste ich schon jetzt. Was Sarah überhaupt nicht passen würde. Sie war zwar mit Michael zusammen, dem Zucker unter den Jungs, dennoch flirtete sie gerne mal mit Chris oder Jake. Aber Jake war eben nicht so leicht zu kriegen wie Michael oder Chris. Sarah sah Jake eben als neue Herausforderung...und Mel würde ihr mit ihrem wunderschönen Gesicht und ihren süßen blonden Locken einen Strich durch die Rechnung machen. Die werden sich alle noch in die Haare kriegen...
Ich erschrack als die Neue mich ansprach:
>>Hey! Wie gehts?<<
>>Hallo. Mit mir is alles klar.<<
Sie musterte mich und erkannte meine Schwäche.
>>Was ist?<<
>>Ich muss dich was fragen: Weißt du wen du hier ersetzt?<<
>>Nein. Ich wurde einfach hier her gesckickt. Gibt es dafür einen Grund?<<
Ich lachte trocken. Alles show.
>>Nein. Ich geb dir einen Tipp: Allen Neuen werden Streiche gespielt, also pass auf. Achja: Du musst dich unterordnen. Wir bekommen zuerst das Bad. Und ihr macht morgen das Frühstück, wir essen aber vor euch, ihr bekommt die Reste. Und tu besser was man dir sagt! Das geht drei Wochen lang so...<<
Sie sah mich komischer Weise nicht geängsticht an. Sie nickte nur.
>>In Ordnung.<<
Sie war echt selbstbewusst.
>>Warst du schon öfters in nem Internat?<<
Sie nickte wieder. Ich sah mich in dem großen, hellen Zimmer um. Kein Koffer in sicht.
>>Wo sind deine Sachen?<<
Ich setzte mich neben sie.
>>Im Schrank.<<
Ich nickte. Sie war echt nicht schwer von begriff. Sie würde sich hier durchbeissen können. Wenn Catrina genauso stark war, würde sie Kristin überstehen...
Teil 2 - Melinda
Vorbereitung
Nachdem Alissa versucht hatte, mir Angst zu machen, gingen wir zum Abendbrot. Das Esszimmer war ziemlich klein und die dunklen Wände liesen das Zimmer ein wenig unheimlich wirken. Der lange Tisch war schon gedeckt und die Brotkörbe waren neu aufgefüllt. Kristin schielte die ganze Zeit zu mir rüber bis sie mir Anweisung erteilte:
>>Du setzt dich neben Sarah und Chris!<<
Ich setzte mich und sah gerade noch, wie Sarah einen bösen Blick in Kristins Richtung lenkte. Ich schnappte mir ein Brot, was ich nicht hätte tun sollen. Alle starrten mich an, Ally stand auf und nahm das Brot von meinem Teller.
>>Entschuldigt sie bitte, sie hat sich wohl nen Moment vergessen.<< Ally warf mir einen vorwurfsvollen Blick zu. Ich hatte sie wohl blamiert. Ich war schon an vier anderen Internaten gewesen, aber noch nie hatten sie solche Regeln gehabt...das ist ja wie bei den Wölfen, die oberen essen zuerst...ich kicherte leise, aber als Sarah und Chris mich anrempelten erstummte ich. Sollte ich hier jetzt sitzen und ihnen beim essen zu sehen? Echt, sowas war mir noch nie untergekommen.
Nachdem Essen ging ich auf mein Zimmer um auf Ally zu warten und mich zu entschuldigen. Ich mochte sie und wollte nicht peinlich für sie sein. Wenn ich hier bleiben wollte brauchte ich gute Freunde und im Moment kam nur Ally dafür in Frage.
Die Tür wurde mit einem knarrenden Laut geöffnet und ich sah entschuldigend zu Ally auf.
>>Es tut mir leid, das ich dich blamiert habe.<<
Sie kicherte.
>>Du brauchst dich nicht entschuldigen. Du lernst schnell, schneller als ich damals...aber jetzt zu etwas anderem: Zieh dich warm an bevor du schlafen gehst! Es ist besser so.<<
Ich guckte fragend und wühlte in meinem koffer nach einem warmen Schlafanzug.
>>Zieht es hier denn so?<<
>>Nein. Ich kann dir nichts verraten, zieh dich einfach warm an, in Ordnung?<<
Ich nickte und legte meinen flauschigen Schlafanzug für den Winter auf mein Bett. Ich schaute auf meine Armbanduhr. 21:34 Uhr. Um 22 Uhr war Bettruhe, also konnte ich mich schon umziehen.
Nachdem das erledigt war ging ich zur Badtür und wartete, bis alle anderen fertig waren. Ich schlüpfte in das enge Badezimmer und fing an meine Zähne zu putzen. Ich dachte darüber nach, was Ally gesagt hatte. Es würde wohl extrem kalt werden.
Ich hörte wie Frau Irrbaum die Treppe hoch kam.
>>Es ist Bettruhe! In zwei Minuten will ich alle in ihren Betten sehen!<<
Ich zuckte zusammen. Ich wärmte meine Finger an dem warmen Wasser und öffnete vorsichtig die Badezimmertür. Catrina hüpfte unruhig davor auf und ab.
>>Lass mich endlich rein! Ich hab nurnoch ne Minute um Zähne zu putzen!<<
Schnell kam ich aus dem Bad. >>Entschuldige!<<
Ich rannte mit meiner Zahnbürste und der Tube Zahnpasta zurück in mein Zimmer. Ally lag schon im Bett, sie hatte sich ebenfalls warme Sachen angezogen. Sie trug sogar eine Jacke, ich fragte aber nicht danach und kroch in mein Bett. Ich atmete gleichmäßig, bis nach einer Stunde jemand in unser Zimmer schlich und mich unsanft aus dem Bett riss...
Teil 2 - Melinda
Die Aufnahmeprüfung
Ich wusste wer mich aus dem Bett gerissen hatte, ohne aufzusehen: Kristin. Als ich sie ansah, konnte ich alle anderen hinter ihr sehen. Catrina hatten sie wohl schon geholt. Plötzlich stand Ally neben mir, sie funkelte Kristin warnend an.
>>Sei nicht so hard mit ihnen! Du weißt, was letztes Jahr mit Sarah passiert ist...<<
Sarah wurde rot, als würde sie jeden Moment überkochen. Wahrscheinlich passte es ihr nicht, das jemand erwähnte das sie in ihrem Inneren ziemlich schwach war. Ich musste mich also beweisen, wie wusste ich aber noch nicht und zugegeben: Das machte mir schon ein wenig Angst!
Kristi stöhnte verärgert.
>>Komm runter, Ally! Sie wirds überleben...<<
Überleben?? Ich wollte schon eine ängstliche Schnute ziehen, als mir einfiel das ich keine Schwäche zeigen durfte! Ich sprang auf.
>>Schön. Und was darf ich denn überleben?<<
Sarah und Jake lachten. Ich verzog keine Miene und Sarah verstummte.
>>Das wirst du noch sehen. Spring durchs Fenster raus, wir kommen nach!<< Sarah funkelte mich argwöhnisch an.
Ich drehte mich um und ging zum Fenster, öffnete es, und sprang hinaus. Ally und Kristin landeten nach wenigen Minuten hinter mir. Kristi zog mir unerwartet einen Kartoffelsack über den Kopf und hielt mich am Arm.
>>Alissa, bring sie zum Stall und hol Shira raus. Und vergiss nicht den Führstrick!<<
Ich spürte wie Kristins Griff locker wurde und eine andere Hand an deren Stelle trat. Ally zog mich etwas sanfter als Kristi zum Stall, bis sie mich loslies.
>>Hab keine Angst, ich werde dir helfen! Und jetzt warte kurz hier!<<
Als Alissas Hand verschwand, blieb ich zitternd in der Kälte zurück. Mein Schlafanzug war nicht warm genug und ich hoffte ich müsste nicht all zu lang hier bleiben.
Ich spürte die Wärme des Pferdes, als mich Jake und Chris, auf es setzten. Ich vergrub die Hände in Shiras Mähne und wärmte sie. Plötzlich geriet alles in Bewegung, Shira fing an zu gehen. Sarah führte uns wohl in den Wald, ich spürte wie die Äste mich streiften. Hinter uns, hörte ich die Schritte von Flash. Catrina war genauso dran wie ich, wahrscheinlich sogar noch schlimmer, denn Kristi hatte ihr sicher nicht gesagt das sie sich warm anziehen sollte. Ich hatte Mitleid mit ihr, was auch immer passieren würde...
Als wir anhielten rutschte ich kraftlos von Shiras Rücken. Wir waren bestimmt eine Stunde lang unterwegs gewesen. Michael zog mir den Sack vom Kopf. Er grinste. Ich zog die Stirn in Falten. Als Kristin anfing zu sprechen zuckte ich kurz zusammen.
>>Wo wir sind spielt keine Rolle. Hier...<< Sie hielt einen Becher aus Holz hoch.
>>Wir haben davon zwei im Wald versteckt. Ihr habt eine Stunde Zeit sie zu finden. Wenn ihr sie gefunden habt, kommt ihr zurück. Ihr bekommt eine Karte, von der ihr zurück finden könnt, und es sind mögliche Strecken eingezeichnet um ein "Symbol" zu finden.<<
Michael zog mir den Sack wieder über den Kopf, diesmal waren zwei Löcher für die Augen darin. Dann schob er mir eine Karte in die Hand.
>>Du darfst den Sack nicht abnehmen, dafür musst du dich erst als Würdig beweisen!<<
Ich nickte.
Ally stand nun neben mir. Sie flüsterte.
>>Deine Karte ist gefaikt. Sarah hat dran rum gebastelt...<<
Mir wurde die Karte aus der Hand gezogen und eine andere trat an ihren Platz.
>>Danke...<<
Kristin zog eine Augenbraue hoch.
>>Wenn ihr kein Symbol finden solltet, müsst ihr vier Stunden in der Kälte hier bleiben.<<
Ich schauderte. Ich musste einfach eines finden!
>>Nun geht!<<
Jemand schubste mich und ich lief einen Wald weg entlang. An der Abzweigung war bei der Karte nichts eingezeichnet. Ich ging einfach rechts weiter und schaute auf die Karte. Das eine Symbol musste bei der nächsten Abzweigung sein. Ich schätzte den Weg auf 20 Minuten, das müsste ich schaffen. Ich fing an etwas zu laufen, dabei wäre ich zweimal fast gestolpert. Als ich bei der Abzweigung ankam, schaute ich mich um. Hier war nirgendwo etwas zu sehen. Ich lehnte mich an einen Baum. Ich sah in den Himmel als ich bemerkte, das etwas in dem Baum hing. Ich sprang freudig auf und versuchte den Baum hoch zu klettern. Ich rutschte ein paarmal ab und als ich fast ganz oben war, glitten meine Beine zur Seite und mit einem lauten Schrei, fiel ich. Ich konnte mich gerade noch an einem Ast festhalten. Der Ast ächzte von meinem Gewicht als ich mich hochzog. Ich griff nach oben und faste das Symbol. Ich zog daran und riss es heraus, gleichzeitig fiel ich aber wieder vom Baum und landete auf dem Rücken. Obwohl ich Schmerzen und Schürfwunden hatte, lächelte ich. Ich sprang auf und griff nach der Karte in meiner Hosentasche. Ich rannte den Weg zurück und als ich bei den anderen angekommen war, spürte ich die Schmerzen an meiner Brust. Ich keuchte leicht, als ich mich umsah. Catrina sahs in einem Kreis umringt von Steinen. Mir fiel auf, das sie kein Symbol hatte. Die arme.
Sarah kam auf mich zu.
>>Catrina hat kein Symbol. Sie wird hier bleiben müssen. Es sei denn du gibst ihr dein Symbol und bleibst an ihrer Stelle hier.<<
Sarah grinste. Ich grinste frech zurück.
>>Sie soll mein Symbol nehmen, ich bleibe hier.<<
Ally sah mich erschrocken an, ich nickte nur und nahm Catrinas Platz ein. Sie sah mich dankbar an. Das arme zitternde Mädchen...
Ich schwieg und wartete darauf das die Kälte mich umschloss und alle anderen verschwanden.
Dies war meine Strafe...
Teil 2 - Melinda
Die Strafe
Es wurde langsam heller. Trotzdem war mir eisigkalt. Ein Nachgeschmack von der Eisigen Kälte von 4 Uhr in der Früh. Mittlerer Weile war es 5 Uhr. Ich musste nurnoch eine Stunde überleben. Nach einiger Zeit überrumpelte mich die Müdigkeit. Ich schloss wiederwillig meine Augen und schlief ein.
Ich saß immernoch in dem Kreis als ich ein Licht sah. Es wurde immer heller. Ich stand auf und folgte dem Lichtschein bis zu einer Hütte. Ich öffnete die Tür und war im Nichts...
Erschrocken blinzelte ich. Die gefärbten Blätter deckten mich fast ganz ab. Ich hörte laute Stimmen.
>>Meint ihr wir finden sie...lebend?<< Das war Ally.
>>Ach jetz komm! Sie ist doch nicht aus Zucker!<< Kristin.
Ich sprang auf und sah mich um. Ich konnte nicht viel erkennen, es war immernoch ziemlich dunkel. Es war kurz nach 6. Wie konnte dieser kurze Traum eine Stunde ausgefüllt haben? War das Nichts so lang gewesen?
Jemand rüttelte mich aus den Gedanken.
Ich sah zu dem rufenden Jake auf.
>>Ich hab sie gefunden!<<
Ich bemerkte das ich garnicht mehr in dem Kreis stand. Ich stand vor einer klapprigen alten Hütte mitten im Wald. Ich musterte sie. Die Hütte sah aus, als würde sie jeden Moment zusammen brechen. Aber wie konnte das sein? Ich hatte doch geschlafen...und ich war auch noch nie geschlafwandelt. Ich musste wohl ziemlich verdattert, aber vor allem müde aussehen. Ich konnte mich alleine nicht mehr auf den Beinen halten, Jake musste mich stützen.
Endlich kamen die anderen. Ally schloss mich in die Arme.
>>Man, bin ich froh das du noch lebst!<<
Ich grinste.
>>Nicht mehr lange...<<
Kristin sah mich verärgert an.
>>Was machst du eigentlich hier?<<
>>Gute Frage.<<, ich blinzelte noch mal.
Zurück im Internat zogen wir uns alle schnell um und quetschten uns ins Bad. Außnahmsweise bekam ich die warme Dusche zuerst, um den Schock herunter zu waschen und mich zu wärmen. Schnell lief ich ins Esszimmer um das Frühstück vorzubereiten doch alles stand schon an seinem Platz. Catrina hatte gute Arbeit geleistet. Sie saß schon auf ihrem Platz und lächelte mich an.
>>Ich bin dir so dankbar, Mel!<<
>>Kein Problem...<< Ich gähnte leise. Dann verschwand die offenbar schüchterne Catrina um zu sehen ob die Dusche nun für sie frei war.
Stärke
Am Abend saßen Ally und ich an unserem Schreibtisch und zeichneten. Frau Grieskrumm hatte uns gebeten das "Schattenprojekt" zusammen zu machen, also verbrachten wir den ganzen Abend damit, Schatten von irgendwelchen Objekten zu zeichnen. Ich stöhnte. Kunst war eine meiner Schwächen, genau wie Französisch. Ally musterte mich. Ihre Zeichnungen sahen fast perfekt aus...im Gegensatz zu meinen. Alle meine Linien waren krüppelhaft, ihre waren eher schwungvoll. Ich war kurz davor, sie zu beten das Bild für mich zu zeichnen, aber ich lies es lieber. Ärger wollte ich ihr auf keinen Fall machen, und mit Frau Grieskrumm war nicht zu spaßen. Also riss ich einen neuen Zettel aus dem Block und fing an zu "zeichnen". Alles Zeitverschwendung...ich musste wieder an meinen Traum aus dem Wald denken. Irgendetwas stimmte da nicht! Ich würde später noch einmal darauf zurück kommen.
Am nächsten Morgen war ich so frech als erstes ins Bad zu schleichen. Ich stand gerade unter der Dusche als jemand wütend klopfte.
>>Melinda, ich weiß das du da drin bist!!<<
Es waren Sarahs wütende Worte.
>>Na und?<< Ich wollte mich nicht länger herum schubsen lassen! Wir alle hatten das gleiche Recht auf die warme Dusche, ganz gleich was diese extrem hochnäsigen Tussen hier für "Regeln" hielten.
>>Na und??!! Gehts noch? Du weist wie der Hase läuft!<<
>>Ich habs satt! Ich kann hier duschen gehen wann ich will, egal was ihr hier für beknackte Regeln aufstellt, das ist nicht euer Internat!<<
Sarah trommelte wütend an die Tür während ich mir das warme Wasser über die Haut laufen lies.
>>Hör auf Sarah! Sie hat sich mehr als genug bewiesen. Sie hat stärke gezeigt und das mehr als ein mal. Lass sie doch machen was sie will, sie ist eine von uns!<<
Ich runzelte die Stirn, ich musste mich verhört haben. Diese Stimme gehörte meinen Ohren nach Kristin...
Die halbe Ewigkeit
Der Unterricht rauschte an mir vorbei, ohne dass ich etwas davon mitbekam. Den Englisch-Stoff konnte ich so oder so schon und in Physik konnte ich mich schon gar nicht mehr verbessern. Ally stieß mir in die Seite.
>>Was?<<
Platzte ich heraus. Die ganze Klasse sah mich an.
Herr Klaarbeck räusperte sich.
>>Ich würde gerne von dir wissen ob du zuhörst.<<
Ich nickte obwohl ich schon lange nicht mehr zuhörte. Französisch, ich könnte kotzen!
Die restlichen Stunden zogen sich immer länger. Es kam mir vor wie die halbe Ewigkeit. Ich dachte darüber nach was Kristin gesagt hatte: Ich war jetzt eine von „ihnen“. Wer waren „sie“ denn? Und Sarah schien sich ja nicht gerade darüber zu freuen, weshalb auch immer. Vielleicht weil Michael sich langsam von ihr abwandte und hin und wieder versuchte mit mir zu flirten? Konnte mir ja eigentlich auch egal sein was sie von mir dachte. Hauptsache ich musste keine dreckigen Sachen mehr machen. Für Catrina war die Sache allerdings noch nicht vom Tisch. Sie hatte sich noch kein einziges Mal bewiesen. Meiner Meinung nach. Aber ich konnte ihr jetzt auch nicht mehr helfen. Sie war zwar am Anfang so dran gewesen wie ich, dennoch wollte ich ihr Schicksal nicht weiter teilen. Außerdem war sie mir noch nie sehr symphatisch gewesen. Würde sich mir die Gelegenheit bieten ihr zu helfen, würde ich es trotzdem tun.
Und nun lies ich die Ewigkeit über mich ergehen, bis sie durch die Schulglocke endete.
Ohne Ally
Am Abend war wieder mal alles ruhig. Zu ruhig. Es machte mir Angst, alleine in meinem Zimmer zu hocken, während es so still war. Kristin hatte mich seit dem "Bad-Gespräch" nicht mehr so bescheuert angesehen wie sonst. Irgendwie kam mir das komisch vor....
Ach Quatsch! Ich immer mit meinem Misstrauen! Vielleicht war ja wirklich alles in Ordnung, vielleicht hatte sie eingesehen dass es keinen Sinn machte mich so zu behandeln? Ich sollte mich wirklich nicht so aufregen, nur weil alles ruhig war. Trotzdem hoffte ich, das Ally bald aus dem Bad kam um mir Gesellschaft zu leisten.
Ich legte mich in mein Bett und starrte an die Decke. Ally war immer noch nicht wieder da. Was machte sie da die ganze Zeit? Ich beschloss einfach zu schlafen und sie morgen früh zu fragen, wo sie war.
Am nächsten Morgen wurde mir mulmig zu Mute. Allys Bett war leer. Ich zog die Stirn in Falten. Da stimmte irgendwas nicht! Ich sprang aus dem Bett und trat auf den Flur. Kristin und Michael drehten sich zu mir um. Sie sahen ziemlich niedergeschlagen aus.
>>Wisst ihr wo Ally ist?<<
Kristin und Michi wechselten einen schnellen Blick. Wussten sie was passiert war?
>>Hi Mel! Falls du Alissa suchst…da musst du Frau Irrbaum fragen, die hat sie gestern Abend abgeholt.<<
Abgeholt? Hatte Ally sich verletzt? Oder hatte sie sich einfach einen Virus eingefangen? Ich beschloss heute Morgen auf die Dusche zu verzichten und ging zum Rektor. Ich klopfte an der Tür und trat ein, ohne auf eine Antwort zu warten.
>>Wo ist Alissa?<<
>>Verletzung sag ich nur. Sie kommt erstmal nicht mehr hierher.<<
Ich war außer mir vor Wut!
>>Was soll das denn heißen? Wie lange bleibt sie weg?<<
Herr Klaarbeck spielte mit dem Apfel in seinen Händen herum.
>>Das kann ich nicht genau sagen, vielleicht kommt sie gar nicht wieder.<<
„WAS“ war das einzige Wort das in meinem Kopf Platz fand. Wut entbrannt verlies ich das Zimmer um mich beim frühstücken zu beruhigen.
Seelen - Teil 1
Ich konnte es nicht fassen! Wem sollte ich jetzt vertrauen? Sarah und Kristin kamen nicht in Frage. Catrina war mir auch nicht symphatisch genug. Und jetzt blieben nur noch die Jungen. Kurz gesagt: Ich war allein!
Jeden Abend saß ich alleine auf meinem Bett und starrte auf die Tür, als hoffte ich das Ally jeden Moment herein kommt. Doch sie kam nicht. Ich musste etwas tun!
Es ging jetzt schon eine Woche lang so und jeden Tag wurde mein Bedürfnis zurück zur Hütte zu gehen, größer.
Und heute war der Tag gekommen an dem ich nicht mehr widerstehen konnte. Ich kletterte aus dem Fenster und lief in den Stall. Nachdem ich Shira gesattelt hatte, ritt ich mit ihr zur Lichtung an der ich im Kreis eingeschlafen war. Wie sollte ich zur Hütte zurück finden? Ich ritt einfach einen Weg entlang als ich wieder diesen seltsamen Lichtschein sah. Ich folgte ihm und gelangte nach einiger Zeit zu der Hütte. Ich lächelte und stieg von Shiras Rücken. Hier fühlte ich mich leichter. Die Blätter knisterten unter meinen Schritten und es klapperte laut als ich versuchte die Tür der Hütte zu öffnen. Sie war verschlossen, ich konnte so viel daran rütteln wie ich wollte, sie lies sich nicht öffnen. Aber die Hütte sah so brüchig aus, ich würde diese Tür schon irgendwie auf bekommen. Ich ging ein paar Schritte zurück und nahm Anlauf. Als ich plötzlich an einen Schrank flog sah ich mich verwirrt um. Ich war irgendwo in irgendeinem Keller. Die Hütte konnte es nicht sein, es war stockfinster. Wie war ich hier denn wieder hergekommen? Und die wichtigste Frage: Wie kam ich hier wieder heraus?
Seelen - Teil 2
Plötzlich fingen ein paar Fackeln an der Wand Feuer, von woher auch immer und ein ohrenbetäubender Laut schallte durch die Gänge. Ich hielt mir instinktiv die Ohren zu obwohl dies nicht viel brachte. Und dann verstummte der Laut und eine piepsige Stimme drang an mein Ohr.
>>Mel?<<
Ich sah mich um. Es war kaum etwas zu erkennen, die Fackeln warfen nur schwaches Licht durch die Gänge. Dann sah ich Alissas leblosen Körper in einer Ecke liegen. Und neben ihr saß ein kleines Mädchen. Sie sah aus wie Ally nur etwas jünger. Nein, es war eine makellose, blasse, kleine Kopie von Alissa. Sie trug ein weißes Nachthemd und sah zu mir auf. Sie war es, die mich angesprochen hatte.
Ich bekam es so richtig mit der Angst zu tun! Ally sah eher tot aus als lebendig. Richtig schlimm sah sie aus, wie ein Zombie! Aber was machte sie hier? Der Rektor hatte doch gesagt sie wäre verletzt gewesen?
>>Wer bist du???<<
Sie zog die Stirn in Falten.
>>Ich bin es! Alissa.<<
Ich schüttelte den Kopf und sah von Alissas leblosen Körper und dem kleinen Mädchen hin und her.
>>Aber…<<
>>Hör zu! Ich bin nicht direkt Alissa. Ich bin ihre Seele! Jemand saugt uns aus um die Seele eines anderen Mädchens zu stärken. Du musst uns helfen!<<
Ich schüttelte den Kopf. Das konnte nur ein böser Traum sein!
>>Wer ist noch hier?<<
>>Fiona und Jessy. Bitte! In ein paar Monaten werden „sie“ Sarah holen! Du musst sie davor bewahren und uns retten!<<
>>Aber…wie?<<
Ich bekam keine Antwort. Allys Seele war verschwunden und ich hoffte ich würde aus diesem bescheuerten Traum aufwachen! Plötzlich packte mich jemand an der Schulter. Ich machte mich steif und wollte einfach nur noch erwachen…doch dies war kein Traum!
Vertrauen
Unerwartet tauchte das kleine Mädchen - Ally - ganz dicht vor mir, wieder auf.
>>Ihr müsst gehen.<<
Ihr? Ach ja. Ich hatte die Hand auf meiner Schulter vor lauter Angst ganz verdrängt. Als ich mich umdrehte, blickte ich in ein mir allzu bekanntes Gesicht: Kristin. Sollte mich ja eigentlich nicht wundern dass sie mir gefolgt war.
Sie deutete mir, ihr zu folgen. Im Moment würde ich jedem vertrauen der mich hier raus bringen könnte. Also folgte ich Kristi, ich hatte ja keine andere Wahl. Und dann sah ich ihr mit geweiteten Augen zu, wie sie auf eine Wand zu lief und verschwand. Jetzt musste ich mich gegen meinen Instinkt wenden. Ich schluckte und lief auf die Wand zu. Die Erleichterung überfiel mich erst als ich das Laub unter meinen Füßen hörte. Ich seufzte. Dann bemerkte ich dass Kristin mich musterte, dann lachte sie trocken.
Ich sah sie fragend an.
>>Du wusstest davon?<<
Sie lachte wieder.
>>Schätzchen, jeder vom Internat weis davon!<<
Ich zog die Stirn in Falten. Lachte sie mich aus?
>>Wieso hat Ally mir nie davon erzählt?<<
>>Weil sie dir nicht vertraut hat.<<
Ihre Stimme hatte einen schneidenden Unterton.
>>Ach nun komm! Ich habe ihr auch vertraut!<<
>>Hier kannst du niemandem vertrauen. Dein einziger Freund bist du selbst!<<
Ich kniff die Augen zusammen.
>>Deshalb hat also noch keiner von euch, die drei da untern befreit. Ihr seid hier richtig nett zueinander muss man mal sagen…<<
Ich hoffte der Sarkasmus würde ankommen!
Und ich hoffte Ally helfen zu können, vielleicht konnte sie mir ja dann vertrauen?
Stella
Als wir am Internat ankamen, wurden wir von Herr Klaarbeck erwartet. Er schickte Kristi in ihr Zimmer. Wir hatten auf dem Heimweg kein einziges Wort miteinander gewechselt, die Stimmung war zu gespannt gewesen. Und nun verlangte Klaarbeck von mir mit in sein Büro zu kommen, was ich gar nicht richtig wahrnahm, da ich in Gedanken bei den drei Mädchen, die in einem dunklen Keller sterben mussten, war. Der Rektor sah mich misstrauisch an.
>>Wo warst du?<<
>>Ich war ausreiten. Im Wald.<<
Er nickte immer noch misstrauisch.
>>Wir bekommen eine Neue. Ich möchte dass du ihr Manieren beibringst. Meine Tochter wird uns in ein paar Wochen besuchen. Alles soll glatt verlaufen, verstanden?!<<
>>Ja.<<
Er sah mich mit freudigen Augen an und zeigte zur Tür.
Ich ging auf den Flur und dann direkt in mein Zimmer. So schnell also sollte Ally ersetzt werden…ich konnte es nicht fassen! Fiel denn niemandem von außerhalb dieser Wände auf, dass öfters jemand wegen eines „Unfalls“ ersetzt wurde? So konnte das nicht weiter gehen! Ich musste etwas tun!
Erst als ich aufsah bemerkte ich die Neue die auf ALLYs Bett saß. Ich hätte ihr am liebsten eine geknallt so wie sie dasaß. Aber ich lies es dann doch lieber, es würde Klaarbeck auf mich aufmerksam machen, und dann wäre ich wirklich schlimm dran. Ich musste mich so höflich benehmen wie es möglich war.
>>Hi.<<
>>Hallo!<<
Ihre rötlich braunen Locken wippten hoch und runter als sie sprach.
>>Ähm…ich bin Melinda. Und du?<<
>>Ich heiße Stella. Wow! Ich finde dieses Haus einfach unglaublich schön!<<
Sie lächelte mich herzlich an. Anscheinend wollte sie ein Gespräch mit mir anfangen.
>>Ja, es ist wirklich schön.<< Aber verflucht, fügte ich in Gedanken hinzu.
Regel-Verbot
Zum Abendbrot ging ich mit Stella ins Esszimmer. Alle hatten sich versammelt um Stella in Augenschein zu nehmen. Wie die gafften…hatten sie das bei mir auch getan? Ich runzelte die Stirn. Wenn ja, hatte ich es nicht bemerkt. Und Stella schien es nicht gerade zu interessieren! Sie sah sogar sehr fröhlich aus, als wäre es ein Kompliment das sie angestarrt wurde. Sie nahm Sarahs Platz ein und ich setzte mich neben sie. Sarah sah mich wütend an.
>>Hast du ihr die Regeln erklärt?<<
Ich tat zuerst so als würde ich überlegen, dann zog ich eine Augenbraue hoch und sah zu Sarah auf.
>>Welche Regeln denn?<<
Sarah wurde wieder rot.
>>Duuuuuuuu….!!!!!!! Wieso bist du so fies?!<<
>>Ich bin fies, ja? Gut...wenn ihr einfach Regeln aufstellt dann will ich mit machen!<<
Jetzt grinste Sarah hinterhältig zu Stella.
>>In Ordnung. Wie lautet deine neue Regel?<<
Ich hätte mich tot lachen können! Sie dachten echt ich würde ihnen helfen Stella zu quälen!
>>Meine neue Regel: Nie wieder Regeln!<<
Ich grinste herausfordernd und reichte Stella einen Brotkorb. Sie zögerte, nahm dann aber ein Brot.
Ich grinste Sarah wieder an und es tat seine Wirkung. Sie schäumte fast über vor Wut! Ich würde später darauf zurück kommen wenn ich Informationen über den Seelen-Knast brauchte. Womöglich wussten sie sogar wer dahinter steckte und wer das Mädchen war das die Seelen dreier Mädchen brauchte um weiter zu leben!
Ich nahm mir auch ein Brot und legte mir ein paar Scheiben Salami darauf. Ich biss so richtig genüsslich hinein und grinste Sarah immer noch an. Es tat gut, mal nicht daran zu denken das Ally weg war und das ich vielleicht für immer verlassen war, wenn ich sie nicht retten würde.
Kraft Alissas Sicht
Es wurde von Tag zu Tag dunkler hier unten. Ich wusste nicht, ob es einfach so war, oder ob mein Augenlicht verschwand, aber es wurde immer dunkler und das Licht der Fackeln immer schwächer. Vielleicht lag das daran, dass auch ich schwächer wurde? Jessys und Fios Seelen waren bereits so ausgesaugt, das sie jetzt als kleine Babys dargestellt wurden. Langsam bekam ich Angst, dass sie zu Embryos schrumpfen würden. Oder würden sie gleich verpuffen und ins Jenseits gleiten? Meine Seele war jetzt als Kleinkind zu erkennen. Ich konnte zwar laufen, fiel aber nach jedem dritten Schritt wieder um. Und sprechen war mir auch kaum noch möglich. Ich hoffte das Mel mir –uns- helfen würde. Ohne sie wäre ich jetzt verloren! Wenn sie mir nicht half, dann würde es keiner tun!
Und ich fragte mich, wer mich jetzt ersetzt würde. Aber das war jetzt meine kleinste Sorge. Mel würde das Schiff schon schaukeln, auch wenn Sarah und die Lehrer ihr Steine in den Weg legen würden, Mel war stark! Sie hatte die Kraft und den Mut uns zu retten. Aber ob sie es rechtzeitig schaffen würde war eine andere Frage.
Ich spürte förmlich wie ich ausgesaugt wurde und mir die Wirklichkeit und die Zeit entglitt. Jessy und Fio würden nicht mehr lange aushalten. Ich wollte es nicht wahr haben, aber meiner Meinung nach, waren sie nicht mehr zu richten: Sie waren verloren und ich würde ihnen folgen müssen.
Planung
Melindas Sicht
Die Lehrer taten einfach alle so als wäre nichts passiert. Und wenn es mich nicht täuschte, lies Klaarbeck immer öfters nach Sarah rufen…bis sie irgendwann sein Büro nicht mehr so frei verlassen würde, wie sie jetzt war. So sehr ich Sarah auch hasste, ich musste etwas tun! Was auch immer, aber irgendwas musste passieren!
Ich hatte einige Tage darüber nach gedacht, und jetzt stand mein Entschluss fest: Ich würde zum Rektor gehen, ihm alles erzählen was ich über seine krummen Geschäfte wusste und ihn bitten mich mit zunehmen, anstatt Sarah! Seit dem letzten Gespräch wusste ich, wer das Mädchen war, das so viele Seelen benötigte um zu leben: Die Tochter von Herr DR. Klaarbeck. Ich hatte ein wenig im Internet nachgesehen und festgestellt das sie an einer Krankheit litt die ihre Organe beschädigte. Sie hatte schon lange keinen Körper mehr, es war nur noch ihre Seele übrig und Klaarbeck lud Kinder auf dieses Internat um sie zu entführen damit seine Tochter leben konnte. So viel hatte ich mir zusammen gereimt und es hatte sich bestätigt: Obwohl es mir komisch vorkam hatte ich Kristin um Rat gefragt. Sie kam zum gleichen Entschluss wie ich, dennoch wollte sie mir nicht helfen. Es blieb nur noch Stella als Hilfe, aber ich hatte Angst sie mit hineinzuziehen. Ich musste mich nur noch selbst dazu überreden, es auch alleine zu schaffen…
Neuigkeiten
Stellas Sicht
Es war schon seltsam hier. Melinda hatte immer schlechte Laune, dennoch schien sie mich zu mögen. Ich war total verwirrt, aber da kannte ich ja auch noch nicht das Geheimnis um den Seelen-Raub! Mel hatte mir alles erzählt: Sie wollte das ich ihr helfe. Ich konnte nicht nein sagen, sie war meine einzige Freundin hier, also willigte ich ein. In ein paar Tagen würde sie zum Rektor gehen und ihn um den Gefallen bitten, sie zu nehmen anstatt Sarah. Zugegeben: Mir war schon ziemlich mulmig zu Mute, aber wenn ich da unten stecken würde, würde ich auch wollen das mir jemand half…
Am Frühstückstisch hatte ich wieder dieses Gefühl das mich öfters überkam wenn ich spürte das etwas passieren würde: Ich kippte aus versehen meinen roten Saft um. Es sah aus wie Blut, und ich wusste dass bald jemand sterben würde. Und Mel hatte vor, sich morgen in den Seelen-Trakt einzuschleusen!
Seelenschrumpftum
Alissas Sicht
Ich hatte schon alle Hoffnung aufgegeben. Es war vorbei. Mel würde nicht kommen und Jessy und Fio waren nach einer weiteren Woche zu Embryos geschrumpft. Und ich zu einem Baby. Ich konnte sie nicht mit Worten beruhigen, ich krabbelte zu ihnen rüber und versuchte sie zu wärmen. Ich meine, Embryos sollten es doch warm haben, oder? Doch diese Wärme nützte ihnen nun auch nichts mehr!
Der erste Schritt zur Seele
Melindas Sicht
Es war so weit. Ich schlich aus meinem Zimmer, und das um 23 Uhr. Das Büro war einen Stock über uns. Ich ging die Treppe hoch und auf die Bürotür zu. Wenn ich Glück hatte war er noch da. Ich klopfte zögerlich und atmete tief durch. Als ich hörte wie jemand >>Herein<< rief, öffnete ich die Tür und trat ins Zimmer. Herr Klaarbeck sah mich erwartungsvoll an, er hatte wohl schon seine Ahnung. Ich wollte es schnellst möglich hinter mich bringen also setzte ich mich erst gar nicht hin.
>>Ich weiß von dem Seelen-Raub!<< Platzte es aus mir heraus.
Er nickte.
>>Du warst so oder so als nächste dran…<<
Ich war sichtlich verwirrt.
>>Und…Sarah?<<
>>Ach nun komm! Das war bevor ich gemerkt hab das du im Labor warst.<<
Ach…Labor nannte er diesen schäbigen Keller also? So ein Schwein!
>>Gut. Wieso noch warten? Dann können sie ihre Tochter noch schneller lebendig machen!<<
Im ersten Moment dachte ich, er würde Verdacht schöpfen, doch dann nickte er und stand auf. Er zog mich aus dem Büro zu seinem Auto. Er wollte dass ich Schlaftabletten nahm aber ich hatte Angst. Während er sich von mir abwandte schmiss ich sie aus dem Fenster und trank das Wasser aus das er mir gegeben hatte. Ich tat so als würde ich müde werden und nahm mir vor die Augen erst an der Hütte wieder zu öffnen.
Die Mission
Melindas Sicht
Während der Autofahrt zuckten meine Füße nervös hin und her. Ich versuchte sie unter Kontrolle zu bringen, was mir nicht wirklich gelang. Anscheinend merkte Herr Klaarbeck überhaupt nicht was mit mir los war. Zum Glück. Ich bekam einen riesigen Schock als ich mir Gedanken darüber machte, wie es sein würde, wenn ich auf Allys Seele traf. Lebte sie überhaupt noch oder war alles umsonst?
Plötzlich wurde ich aus den Gedanken gerissen: Der Wagen war angehalten. Ich erlaubte es mir, kurz zu blinzeln: Wir waren an der Hütte angelangt. Als ich sah wie Klaarbeck auf mich zu kam um mich aus dem Wagen zu tragen, schloss ich schnell wieder meine Augen. Die Ungewissheit war kaum noch zu ertragen!
Wenige Minuten später wurde ich auf einen Sessel gesetzt. Langsam und vorsichtig, flatterten meine Augenlider hoch und ich erkannte das Labor oder besser gesagt den Keller wieder. Es war aber ein anderer Raum. Die Statur war zwar die Selbe, aber hier schien es eindeutig gemütlicher zu sein. Als ich etwas den Kopf in die andere Richtung drehte, konnte ich ein kleines Mädchen erkennen. Sie war höchstens acht Jahre alt, und war so ziemlich schön, bis auf die Tatsache, das sie oder eher es eine Seele war. Ich sah mich verwirrt um: Es war kein Körper des Mädchens zu sehen. Dann fiel mir wieder ein dass es die Tochter des Rektors sein musste, und diese hatte ja keinen Körper mehr. Ich drehte meinen Kopf weiter. Klaarbeck war nirgends zu sehen. Ich schloss wieder die Augen und wartete darauf dass der Rektor den Raum betrat.
Kurz nachdem ich Schritte hörte spürte ich einen schmerzvollen Stich im Nacken. Mir wurde wohl etwas Ähnliches wie eine Etikette in den Hals gestochen. Ich hätte fast aufgeschrien aber mir war durchaus bewusst, dass ich mich in einer ernsten Situation befand. Ich hielt die Luft an und wartete. Wartete. Wartete. Und spürte plötzlich kalten Boden unter mir. Ich öffnete die Augen und sah verschwommen. Außerdem spürte ich kaum noch etwas. Als ich dann noch meinen Körper neben mir liegen sah, wusste ich, dass meine Seele gerade angezapft wurde und ich aus meinem Körper gefahren war. Es war so weit. Jetzt musste ich auf Stella zählen!
Asthma
Stellas Sicht
Am nächsten Tag lag Mel nicht mehr in ihrem Bett. Es war also so weit, sie setzte alles auf mich. Es war 4 Uhr in der Früh, ich hatte mir extra den Wecker gestellt. Schnell zog ich mich an und schlich auf den Hof. Ich bekam schon etwas Angst, aber ich konnte jetzt keinen Rückzieher machen, schließlich ging es nun auch um Mels Leben. Ich lief in den Stall und ritt mit Blue in den Wald. Mel hatte mir die Hütte einmal gezeigt, wir waren aber schnell wieder zurück geritten.
Als ich bei der Hütte ankam lief mir ein Schauer über den Rücken und ich bekam kaum noch Luft. Ich stieg von Blues Rücken und lief auf die Tür der Hütte zu und krachte gegen einen Schrank. Autsch! Ich besinnte mich wieder und lief den finsteren Gang entlang. An einer Tür blieb ich stehen, da drin wurde geredet.
>>Siehst du, Mary! Der neue Chip ist höher eingestellt, du siehst schon viel besser aus! Außerdem wird diese Melinda nicht all zu lange leiden müssen!<<
Ich begriff sofort! Mel war fast tot, Klaarbeck hatte die Aussaugung ihrer Seele schneller eingestellt! Ich lief sofort weiter, ich wusste dass er mich gehört haben musste, aber das war mir jetzt egal. Ich musste Mel da ganz schnell raus holen! Als ich in den hinteren und letzten Raum gelangte sah ich mich schnell um. Mir blieb nicht viel Zeit! Ich sah drei Embryos in einer Ecke liegen. Mel fehlte…egal, irgendwen musste ich hier doch retten können! Ich rannte zu den drei Embryos und sah mir ihre Körper an. Mist, das dauerte einfach zu lange. Und da entdeckte ich etwas: Alle drei Körper hatten etwas am Hals stecken! Ich zog daran, aber diese Dinger konnten sich echt gut fest saugen! Ich riss heftig daran und sie gingen ab. Das Selbe tat ich bei den beiden anderen auch. So langsam schmerzten meine Finger. Wo zum Teufel war Mel? Doch es war zu spät! Klaarbeck packte mich von hinten und zog mich in das Zimmer von vorhin und band mich an einen Balken. Er würde mich umbringen! Denn er konnte mich jetzt ja kaum laufen lassen! Doch unerwartet verlies er das Zimmer. Kurz danach kam ein Mädchen – wahrscheinlich Mary – zu mir und kniete sich hin. Sie nahm eine Schere vom Tisch und schnitt das dicke Seil durch, das meine Hände an den Balken presste. Ich stand auf, ich war nicht in der Lage zu sprechen, ich war kurz vor einem Asthmaanfall, die Luft hier unten war nicht gerade die beste! Schnell lief ich zurück in den anderen Raum. Drei Augenpaare starrten mich aus der Dunkelheit an. Es waren keine Seelen, es waren Menschen, das wusste ich. Ally kam auf mich zu, die anderen beiden – wohl Jessy und Fio – folgten ihr. Ich sah sie ängstlich an, ich saugte die Luft schnell ein, der Asthmaanfall kam immer näher!
>>Wo ist Mel?<< War das einzige was ich sagen konnte.
Ally sah mich mit großen Augen an, sie waren feucht.
>>Lass uns erstmal hier raus.<<
Ich wusste was passiert war, Ally würde Mel niemals zurück lassen…vorausgesetzt sie lebte noch. Das war das einzige woran ich mich noch erinnern konnte, denn ich wurde bewusstlos!
Abschied
Alissas Sicht
Mel war tot. Ich hatte mit eigenen Augen zu gesehen, wie meine beste Freundin starb! Und sie starb für mich…für mich, Jessy und Fio. Es war schrecklich gewesen! Ich wusste ich würde sie nie vergessen, sie wollte mir in Zeiten der Not beistehen, und überlebte die Not selbst nicht.
Herr Klaarbeck bekam Lebenslänglich…und Mary, nun ja, Klaarbeck hat sie in Mels Körper verfrachtet, eine Beerdigung war also nicht möglich. Mel lebte weiter, auch wenn ihre Seele verschwunden war. Mary hatte sich schlimme Vorwürfe gemacht, dabei war ihr Vater der Verbrecher, aber sie fühlte sich selbst wie einer!
Wir alle, ich, Stella, Mary, Jessy und Fio, verabschiedeten uns gemeinsam von Melinda. Wir würden sie niemals vergessen!
The End